Betriebswirtschaftliche Berechnungen für typische Betriebe in Deutschland unter Berücksichtigung neuer politischer Rahmenbedingungen

Wirtschaftlichkeit der Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration

Im März 2019 hat das Thünen-Institut mit dem Working Paper 110 seine Einschätzung zur Wirtschaftlichkeit der Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration veröffentlicht.

Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration im Zeitablauf | © M. Verhaagh

Sofern die „Verordnung zur Durchführung der Betäubung mit Isofluran bei der Ferkelkastration durch sachkundige Personen“ (Ferkelbetäubungssachkundeverordnung – FerkBetSachkV) endgültig beschlossen wird, ist die „Isoflurannarkose durch den Landwirt“ eine zulässige Alternative, die nun in den Berechnungen berücksichtigt wird.

Das Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln sollte am 01.01.2019 in Kraft treten. Am 29.11.2018 verlängerte der Deutsche Bundestag diese Frist aber um 2 Jahre, weil Politik und Wirtschaft nicht in der Lage waren, sich auf eine oder mehrere der verfügbaren Alternativen zur betäubungslosen Kastration einzulassen. Diese politische Entscheidung führte bei Stakeholdern und Interessenvertretern zu enormen Diskussionen. Einerseits gab und gibt es mit der Immunokastration und der Jungebermast gangbare Alternativen, die den Landwirten zur Verfügung stehen. Andererseits hätte der „harte Fexit“ unabsehbar schwere Folgen für die Struktur der Ferkelerzeugung gehabt. Der Strukturwandel betrifft durch Themen wie das Kastrieren, Schwänze kupieren oder die Kastenstanddebatte v.a. die Ferkelerzeuger. Diese also, ohne Rückhalt von Schweinemästern, Schlachtern und der nachgelagerten Industrie, alleine vor der Entscheidung stehen zu lassen, welche Alternative zur bisherigen Kastrationspraxis zu wählen ist, wäre von unvorhersehbar schweren Folgen begleitet gewesen. Unabdingbar ist daher eine schnelle Lösungsfindung für die Schweinehaltung unter Einbeziehung der gesamten Wertschöpfungskette (insbesondere von Fleischwirtschaft und Einzelhandel), um die Fristverlängerung sinnvoll zu nutzen.

 

Entnommen aus DTBl 9/2019