Welle von „Corona“-Hunden rollt auf uns zu

Die Pandemie hat 2020 zu einer Zunahme beim Hundekauf geführt und aktuelle Zahlen (s. VDH, Tasso, Google, 4 Pfoten etc.) lassen vermuten, dass sich das 2021 nicht so bald ändern wird. Viele dieser Tiere werden über Bezugsquellen erworben, die auf Tierschutzprobleme in der Vergangenheit und Zukunft schließen lassen.

Hundesitter | Wikimedia Commons CC BY SA 3.0

Vergangenheit, weil Hündinnen, besonders in Südosteuropa, als Gebärmaschinen unter prekären Umständen gehalten werden, die Welpen viel zu früh von der Mutter getrennt und dann verwurmt und ungeimpft durch Europa gefahren werden (s. www.wuehltischwelpen.de). Zukunft, weil die Hunde, die dies überleben und in Deutschland ein neues Zuhause finden, mit größerer Wahrscheinlichkeit im späteren Leben Verhaltensprobleme entwickeln werden – es besteht ein besonders großes Risiko für Angst- und Aggressionsprobleme – und als Folge abgegeben, ausgesetzt oder eingeschläfert werden.

Verhaltenstierärzte arbeiten gerade bei diesen Patienten eng mit zertifizierten Hundetrainern zusammen. Daher ist es besorgniserregend, dass Hundeschulen in einigen Bundesländern nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt tätig sein dürfen.

Gut angeleitetes Training ist besonders für Ersthundehalter sehr wichtig. Fehlendes Training und bei Welpen zudem fehlende Sozialisierung können bei den Hunden zu gravierenden Defiziten in Entwicklung und Erziehung führen. Insbesondere gut angeleitete Welpenspielstunden, bei denen die jungen Tiere lernen, mit ihren Artgenossen und verschiedenen Umwelteinflüssen umzugehen, sind von enormer Bedeutung für eine gesunde Entwicklung. Diese Defizite sind nicht selten tierschutzrelevant, sie können zudem ein Gefahrenpotenzial für Dritte bedeuten. Hinzu kommt das Risiko, dass Besitzer durch Unkenntnis und/oder Überforderung bei der Erziehung auf aversive Methoden zurückgreifen könnten, wenn sie nicht fachkundig angeleitet werden. Aktuell blicken wir nur auf die Spitze des Eisbergs, was die „Corona“-Hunde anbelangt.

Der Vorstand der Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und -therapie (GTVMT) steht gerne für weitere Informationen zur Verfügung. Auf unserer Überweisungsliste (www.gtvmt.de/service/suche-verhaltenstieraerzte/) finden Sie Kolleginnen und Kollegen, die sich im Bereich Verhaltensmedizin und -therapie spezialisiert haben.

 

Entnommen aus DTBl 3/2021