Erbgut entziffert

Wal-Verwandtschaften

Wissenschaftler der Goethe-Universität, der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Universität Lund haben erstmals das komplette Erbgut bestimmter Furchenwalarten, darunter Blauwal, Buckelwal und Grauwal, entziffert.

Gigant der Meere: der Blauwal | © Florian Schulz

Überraschenderweise zeigt es, dass sich verschiedene Furchenwalarten im Lauf ihrer Geschichte miteinander gepaart haben.

 Darüber hinaus haben sich Furchenwale wohl ohne geografische Barrieren in verschiedene Arten aufgespalten. Dabei handelt es sich um ein sehr seltenes Phänomen. Die Studie ist im Fachmagazin „Science Advances“ erschienen. Wie die Evolutionsgenomiker herausfinden konnten, haben sich die Furchenwale während und nach ihrer Artbildung über die entstehenden Artgrenzen hinweg gepaart. Diese „Artbildung mit Genfluss“, die bei diesen Walen über genetische Barrieren hinweg entsteht, gilt in der Natur als selten. Sogar heute noch werden Hybride von Finn- und Blauwalen gesichtet. Im Erbgut konnten die Forscher solche Spuren einer Liaison zwischen den beiden Arten aber noch nicht direkt nachweisen. Der Evolution der Furchenwale auf die Spur gekommen sind die Wissenschaftler mit sogenannten Netzwerkanalysen. Damit wird die Artentstehung nicht wie üblich als stammesgeschichtlicher Baum, sondern als verwobenes Netz betrachtet, um ansonsten versteckte genetische Signale zu entdecken.

Außerdem stellte das Team fest, dass auch die Verwandtschaftsverhältnisse unter den anderen Furchenwalen komplizierter sind als angenommen.

So gilt der Buckelwal bisher aufgrund seiner enormen Brustflossen als Außenseiter unter den Furchenwalen. Die Studie bestätigt nun, dass diese klassische Taxonomie nicht der evolutionären Systematik entspricht. Gleiches gilt für den Grauwal, von dem man annahm, dass er nicht zu den Furchenwalen gehört. Tatsächlich sind Grauwale aber sehr nahe mit anderen Furchenwalen verwandt. Sie haben sich nur eine andere Lebensquelle erschlossen und ernähren sich von Krebstieren am Grund von Küstengewässern.

 

Entnommen aus DTBl 5/2018