Die afrikanische Riesenhamsterratte in humanitärer Mission

Tiere als Lebensretter

Das Jahr 2020 ist das „Jahr der Ratte“. Die Ratte ist das erste der zwölf chinesischen Tierkreiszeichen und steht für Intelligenz, Neugier, Wachsamkeit, Flexibilität und Vitalität. Tatsächlich verfügen Nagetiere über erstaunliche Fähigkeiten. Dieser Beitrag nimmt die afrikanische Riesenhamsterratte, Cricetomys ansorgei, in den Blick und beschreibt ihre einzigartige Karriere als Spürtier in humanitärer Mission.

Eine afrikanische Riesenhamsterratte mit gefüllten Backentaschen | © APOPO

Die afrikanische Riesenhamsterratte – ein Steckbrief

Afrikanische Riesenhamsterratten der Gattung Cricetomys (C.) sind große Nagetiere aus der Unterfamilie der Hamsterraten (Cricetomyinae) innerhalb der Familie Nesomyidae und der Überfamilie der Mäuseartigen (Muroidea). Sie sind in Savannen, Buschland und Regenwäldern in weiten Teilen Afrikas südlich der Sahara beheimatet. Den Beinamen „Hamster“ verdanken die Riesenratten der Tatsache, dass sie wie Hamster mit Backentaschen ausgestattet sind, in denen sie Nahrung, die sie nicht sofort verzehren, und andere Dinge transportieren und aufbewahren können [1] (Abb. 1).

Bislang sind drei verschiedene Arten der Riesenhamsterratte bestätigt: C. gambianus, C. ansorgei and C. emini [2]. Der Lebensraum der hier beschriebenen C. ansorgei erstreckt sich über weite Teile Afrikas südlich der Sahara: ausgehend von Kenia und Uganda gen Süden (mit Ausnahme des kongolesischen Waldgebiets) über Tansania einschließlich Sansibar, Sambia, Simbabwe und Angola bis ins nördliche Südafrika [2,3].

Riesenhamsterratten messen mit Schwanz ca. 80 Zentimeter und wiegen ausgewachsen etwa 1 bis 1,5 kg. Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Größe spielen die Tiere auch wirtschaftlich eine Rolle und werden in einigen Regionen als Fleischquelle genutzt [4,5,6]. Die Tiere haben ein relativ dünnes Haarkleid mit kurzem Fell. Die großen Ohren sind unbehaart. Ein besonderes Merkmal ist ihr zweifarbiger Schwanz, wobei dieser ab der Schwanzwurzel dunkel und im letzten Drittel von heller Färbung ist. C. ansorgei sind Allesfresser und hauptsächlich nachtaktiv.

Ähnlich wie andere Nagetiere besitzen sie Eigenschaften wie einen ausgeprägten Explorationstrieb, eine hohe Lernfähigkeit und v. a. einen ausgezeichneten Geruchssinn. Über diesen können sie über weite Strecken hinweg miteinander kommunizieren und Vorräte, die sie in unterirdischen Kammern sammeln, wiederfinden. Der Sehsinn der Tiere ist dagegen weniger ausgeprägt [7]. C. ansorgei lassen sich auch in Haltung züchten und sind einfach zu zähmen und zu trainieren. Im Gegensatz zu Hunden sind sie nicht auf einzelne Trainer fixiert. Sie sind an tropisches Klima gut angepasst. Eine weitere Besonderheit ist, dass (domestizierte) Tiere ein hohes Lebensalter von etwa 8 Jahren erreichen. Außerdem sind sie leicht zu transportieren. Diese Eigenschaften qualifizieren sie für Aufgaben als Spürratten.

Seit gut zwei Jahrzehnten bildet die belgische gemeinnützige Organisation APOPO (Anti-Persoonsmijnen Ontmijnende Product Ontwikkeling; ins Deutsche übertragen: Anti-Personenminen-Minenräumungs-Produktentwicklung, www.apopo.org) afrikanische Riesenhamsterratten zu „Lebensrettern“ aus. Die Aufzucht, das Training und die Forschung erfolgen in Zusammenarbeit mit der Sokoine University of Agriculture (SUA) in Morogoro in Tansania. Ausgebildete Tiere sind aktuell in Tansania, Mosambik, Angola, Äthiopien und Kambodscha als Lebensretter im Einsatz. Die nachfolgenden Informationen beziehen sich auf die Erfahrungen und die Forschung aus diesem Kooperationsprogramm.

 

Entnommen aus DTBl 5/2020