Reisebericht Somaliland (Somalia) von Tierärzten ohne Grenzen e. V.

Tierärztliche Aktivitäten am Horn von Afrika

Im November 2019 führte eine Delegation von Tierärzte ohne Grenzen e. V. (ToG), ‧bestehend aus dem Managing Director Christian Griebenow, dem Vorstandsvorsitzenden und Tierarzt Dr. Daniel Zaspel sowie Tier‧ärztin und Referentin für One Health, ‧Antonia Braus, eine Projektreise nach ‧Somaliland durch. Neben dem Besuch der einzelnen Projekte stand eine Analyse der laufenden Aktivitäten im Fokus.

Ein typischer Eselkarren an einer Wasserverteilungsstelle. | © ToG e. V.

Somaliland ist eine völkerrechtlich zu Somalia gehörende autonome Region im Norden des Landes, als De-facto-Regime aber ein praktisch unabhängiger, international von keinem Land anerkannter Staat in Ostafrika. Somalia verfügt über keinen validen Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen und zählt zu den ärmsten und gefährlichsten Staaten weltweit. 2014 gab die Weltgesundheitsorganisation an, dass auf 1 000 Einwohner 0,03 ausgebildete Ärzte gezählt werden [1]. Trotz Hilfeleistungen waren 2018 in Somalia 1,5 Millionen Menschen von einer akuten Krise der Ernährungssicherheit betroffen und 294 000 Kinder akut unterernährt [2]. In nur wenigen Ländern der Welt hängen so große Teile der Bevölkerung einseitig von der Viehhaltung in nomadischen und halbnomadischen Systemen ab wie in Somalia. Somalia besitzt die größte Kamelpopulation der Welt und exportiert weltweit die meisten Kamele. Kamele, Rinder und kleine Wiederkäuer bilden für die Menschen in dieser kargen Landschaft die Lebensgrundlage.

Seit 2006 implementiert ToG Projekte in unterschiedlichen Regionen in Somalia. Auf dieser Projektreise wurden die Projektgebiete um die Stadt Hargeysa bereist, die im Mai 2018 vom tropischen Zyklon Sagar heimgesucht wurde. Starkregen, Sturm und Sturzfluten rissen Menschen, Häuser und Viehherden mit sich und verursachten enorme Straßenschäden, die es Hilfskräften erschwerten, die Betroffenen zu erreichen. Nach einer lang anhaltenden Dürre waren die Schäden besonders hoch, da der ausgetrocknete Boden die Wassermassen nicht aufnehmen konnte. Ebenso trieb diese Katastrophe die Preise für Nahrungsmittel enorm in die Höhe. Angesichts der wiederkehrenden Dürrekrisen, aber auch den anhaltenden bewaffneten Auseinandersetzungen, sind in Somalia Millionen Menschen auf lebensrettende humanitäre Hilfe angewiesen.

Das Ziel der Projektreise bestand darin, sich ein konkretes Bild über die humanitäre Situation sowie die Entwicklungsbedarfe in Somaliland mit dem Schwerpunkt auf Pastoralismus (Wanderviehhaltung) und Tiergesundheit zu verschaffen. Besucht wurden ein Projekt, das durch die Verbesserung des Tierwohls von Eseln zur wirtschaftlichen Stärkung beiträgt, finanziert über Brooke (Action for Working Horses, Donkeys and Mules), sowie pastorale Gemeinden, in denen Aktivitäten zu deren Existenzsicherung durchgeführt werden. Finanziert durch das Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) werden Wertschöpfungsketten im Tierhaltungssektor verbessert und gestärkt.

 

Entnommen aus DTBl 6/2020