Untersuchungen zur immunologischen Kompetenz

Sind alte Haustierrassen „robuster“?

Der Begriff „Robustheit“ wird allgemein definiert als „in seiner Beschaffenheit Belastungen gut standhalten könnend“ [1]. In der Tierzucht wird er vielfach im Zusammenhang mit alten Nutztierrassen, besonders in der Beziehung zur Ganzjahresbeweidung von Naturschutzflächen mit ausgewählten Rassen, verwendet [2,3].

Turopolje-Schwein | © Arche Warder/Lisa Iwon

Gleichwohl ist dieser häufig verwendete Terminus in Bezug auf Tiere nicht klar definiert. Es ist daher sinnvoll zu klären, was gemeint ist, wenn ihnen „Robustheit“ als Attribut zugeschrieben wird. In diesem Kontext erscheinen fünf Kriterien unserer Ansicht nach besonders wichtig:

1. Widerstandsfähigkeit gegenüber temporären, lokalen Witterungseinflüssen und lokalen, klimatischen Besonderheiten (Temperaturanpassungen)

2. Effiziente Verwertung nährstoffarmen Futters und weitestgehende Unabhängigkeit von energiereichem Futter

3. Stressresistenz

4. Komplikationslose Geburten und Aufzucht der Nachkommen

5. Hohe immunologische Kompetenz gegenüber Krankheitserregern

Robuste Rassen können diesen Kriterien zufolge ganzjährig auf marginalen Weideflächen (z.B. Magerrasen) gehalten werden und bewältigen negative Umwelteinflüsse möglicherweise besser als auf Spitzenleistungen gezüchtete Rassen. Obwohl diese Vorteile alter Rassen häufig genannt werden, existieren hierzu gegenwärtig nur wenige wissenschaftlich gestützte Studien.

In den letzten Jahren wurden mithilfe des Tierbestands des Tierparks Arche Warder e. V. einige Untersuchungen zum Thema Robustheit durchgeführt. Zwei Studien, die sich v.a. auf den Aspekt der „hohen immunologischen Kompetenz gegenüber Krankheitserregern“ konzentrieren, sollen hier näher dargestellt werden. Dabei scheinen folgende Faktoren zur Klärung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheitserregern besonders relevant zu sein: Morbidität, Mortalität, abweichende Symptomatik sowie eine höhere Resilienz.

 

Entnommen aus DTBl 12/2018