Schweinedysenterie

Schwach hämolysierende Brachyspira hyodysenteriae-Varianten

Die Untersuchung von Kot- oder Darmproben vom Schwein auf Brachyspira hyodysenteriae, dem wichtigsten Erreger der Schweinedysenterie in Deutschland, erfolgt entweder direkt durch den Nachweis B.-hyodysenteriae-spezifischer Genfragmente in diesen Proben mittels PCR oder durch kulturelle Anzucht der Brachyspiren. Nach Anzucht der Brachyspiren auf künstlichen Nährmedien können die Isolate mit unterschiedlichen Methoden hinsichtlich der Spezies B. hyodysenteriae differenziert werden.

Brachyspira hyodysenteriae | © Joann Kinyon, Iowa State University

In den letzten zwei Jahren sind in Proben aus Deutschland und anderen Ländern ungewöhnliche, schwach hämolysierende Varianten von B. hyodysenteriae nachgewiesen worden. Diese können biochemisch nicht von B. intermedia unterschieden werden. In den zzt. verfügbaren, molekularbiologischen Tests für den Direktnachweis in Kot/Darminhalt bzw. für die Differenzierung von Kulturisolaten werden sie als B. hyodysenteriae identifiziert. Auch mittels MALDI-TOF-Analyse werden diese schwach hämolysierenden Isolate als B. hyodysenteriae angesprochen. In ersten Untersuchungen am Gesamtgenom wurden repräsentative schwach hämolysierende Isolate als B. hyodysenteriae bestätigt, zeigten aber Unterschiede im Vergleich zu Referenzgenomen stark hämolysierender Stämme.
Die Herkunft und Bedeutung der atypischen B.-hyodysenteriae-Isolate ist nicht ausreichend erforscht. Für den Nachweis und die Unterscheidung von der stark hämolysierenden Variante ist es notwendig, die Brachyspiren aus dem Untersuchungsmaterial anzuzüchten, die Isolate hinsichtlich ihres Hämolysevermögens zu prüfen (Hämolyse-Ringtest) und mittels partieller nox-Gen-Sequenzierung zu identifizieren. Dieses Vorgehen ist auch für die Untersuchung von Proben im Rahmen der Dysenterieüberwachung von Beständen aussagekräftiger als Kot-PCRs.

Weitere Informationen: Dr. Judith Rohde, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Zentrum für Infektionsmedizin, Institut für Mikrobiologie,
Judith.Rohde@tiho-hannover.de, Tel. +49 511 856735

 

Entnommen aus Deutsches Tierärzteblatt 1/2017