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Schnüffelnd zur Coronadiagnose

Ein Forschungsteam unter der Leitung der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover und in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat dies genutzt und im Juli eine Pilotstudie mit beeindruckenden Ergebnissen veröffentlicht: Nach nur einer Woche Training konnten spezialisierte Spürhunde der Bundeswehr zwischen Speichel- oder Tracheobronchialsekretproben von SARS-CoV-2-infizierten Patienten und nicht infizierten Kontrollen unterscheiden und 94 Prozent der positiven Proben identifizieren.

Kössi, Corona-Spürhund am Flughafen Helsinki

Die Methode könnte in öffentlichen Bereichen wie Flughäfen, bei Sportveranstaltungen, an Grenzen oder anderen Massenveranstaltungen als Ergänzung zu Laboruntersuchungen eingesetzt werden, um eine weitere Verbreitung des Virus oder der Ausbrüche zu verhindern.

Um die Hunde auf die Unterscheidung weiterer Differenzierungen trainieren zu können, sucht das Forscherteam nun Studienteilnehmer, die Proben von mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Personen a) mit Symptomen, b) ohne Symptomen sowie c) Proben von Personen mit anderen Atemwegserkrankungen wie Grippe oder Bronchitis zur Verfügung stellen können (Kontakt: vae.kleintierklinik@tiho-hannover.de).

Am Flughafen Helsinki hat ein finnisches Forscherteam die Methoden bereits erfolgreich in der Praxis getestet: Dafür wischten sich die Passagiere bei der Ankunft mit einem Tuch über die Haut und legten es in einen kleinen Behälter, der in einer separaten Kabine einem Hund vorgelegt wurde. Betroffenen Personen wurde empfohlen, einen kostenlosen PCR-Test mit einem Nasenabstrich durchzuführen. Die Trefferquote der Hunde ist auch hier extrem hoch.

Noch ist nicht sicher, was genau die Hunde erschnüffeln. In Hannover wird vermutet, dass bei Atemwegsinfektionen flüchtige organische Verbindungen entstehen, die spezifische Duftstoffabdrücke verursachen; in einer französischen Studie wird von einem veränderten Schweißgeruch infizierter Personen ausgegangen.

 

Entnommen aus DTBl 11/2020