Eine Situationsanalyse aus wissenschaftlicher Sicht

Saugferkelkastration unter Lokalanästhesie?

Die meisten männlichen Schweine der in Deutschland gehaltenen Rassen entwickeln mit Eintritt in die Geschlechtsreife im Wesentlichen aufgrund der zunehmenden Androstenonproduktion einen unangenehmen Geschlechtsgeruch und -geschmack des Fleisches.

Saugferkel dürfen vom 01.01.2019 an nicht mehr betäubungslos kastriert werden. | © Countrypixel – stock.adobe.com

Da in Deutschland und vielen anderen Ländern das Schlachtgewicht bei etwa 120 kg liegt, ist die Geschlechtsreife in diesem Alter meist eingetreten und dadurch das Risiko geruchsbehafteten Fleisches erhöht.

Zur Vermeidung dieses Problems wurden – und werden derzeit noch – männliche Ferkel in den ersten Lebenstagen vom Tierhalter – bisher rechtskonform – ohne wirksame Schmerzausschaltung oder lediglich unter Gabe eines schmerzreduzierenden Arzneimittels kastriert.

Die Kastration ist jedoch erwiesenermaßen ein schmerzhafter chirurgischer Eingriff. Eine betäubungslose Kastration steht somit im Widerspruch zu den Vorgaben des Tierschutzgesetzes (TierSchG) [1], dass „niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf“ (§ 1 Satz 2 TierSchG). Wurde diese Methode bisher mangels anderer Möglichkeiten toleriert, stehen inzwischen mit der Jungebermast, der Impfung gegen das Gonadotropin Releasing Hormon (GnRH) und der Kastration unter Narkose Alternativen zur Verfügung, die diese bisherige Vorgehensweise nicht mehr rechtfertigen.

Mit der Änderung des Tierschutzgesetzes vom 04.07.2013 ist § 5 Abs. 3 Nr. 1a (Ausnahme vom Betäubungsgebot bei der Ferkelkastration) aufgehoben worden und nach § 21 (Übergangsregelung) eine Kastration von unter 8 Tage alten Ferkeln ohne Betäubung nur noch bis zum 31.12.2018 erlaubt.

 

Entnommen aus DTBl 9/2018