Rezensionen

Rechtssicherheit in der Tierarztpraxis – Gerichtliche Veterinärmedizin für den Praxisalltag

Die Autoren befassen sich neben den gesetzlichen Grundlagen mit den vielfältigen, häufig diskutierten Aufgaben des Tierarztes bei Kauf und Verkauf sowie der seit Jahren zu beobachtenden Zunahme damit verbundener Schadenersatzansprüche. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch die Auswahl der Kapitel und ihre unterschiedliche Ausführlichkeit nach Häufigkeit der Streitfälle zu sehen.

Das Buch ist sehr gut geeignet, die eigene Vorgehensweise in der Praxis kritisch zu überprüfen.

Die Autoren befassen sich neben den gesetzlichen Grundlagen mit den vielfältigen, häufig diskutierten Aufgaben des Tierarztes bei Kauf und Verkauf sowie der seit Jahren zu beobachtenden Zunahme damit verbundener Schadenersatzansprüche. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch die Auswahl der Kapitel und ihre unterschiedliche Ausführlichkeit nach Häufigkeit der Streitfälle zu sehen.

Kernstück ist in Teil 1 der allgemeine juristische Teil der Rechtsgrundlagen. Dieser ist der deutschsprachigen Internationalität (D, CH, A) geschuldet, deshalb nicht einheitlich und verliert etwas an Übersicht. Für das deutsche Recht werden in den Kapiteln Aufklärung, Vertragsformen und Gewährleistung häufig beispielhaft die rechtlichen Vorgaben für die Humanmedizin hervorgehoben, um dann, entweder analog oder in seltenen Fällen abweichend, die Vorgaben für die Veterinärmedizin zu postulieren, obwohl dies der Bundesgerichtshof seit 1980 nach wie vor unterscheidet. Die Kapitel „Forensische Medizin und Pathologie“ sowie die „Praktische Durchführung rechtsmedizinischer Untersuchungen in der Tiermedizin“ ist hochinteressant, hätte jedoch eine gesonderte Darstellung verdient.

In Teil 2 sind die Kapitel „Doping und verbotene Medikation“ einschließlich der „Schlussbemerkungen“ dazu und „Auf den Punkt gebracht“ an Inhalt und Umfang hervorzuheben und leisten für die Pferdepraxis sehr gute Dienste. Das Kapitel über Nutztiere ist sehr kurz gefasst und bedarf in Zukunft einiger Erweiterung, da auch hier weitere Zunahmen von Rechtsstreitigkeiten zu erwarten sind. Wichtige und sicher praxisrelevante Kapitel sind die der Kastration, der Untersuchung zur Feststellung einer Konzeption bei den verschiedenen Tierarten sowie die ausführliche und anspruchsvolle Darstellung zur Geburtshilfe.

Auf Grundlage bereits vorliegender Literatur wurden Umfang und Darstellung im Kapitel „Kaufuntersuchung beim Pferd“ ausreichend Rechnung getragen (beim Kleintier wird das noch kommen). Verständlich und nachvollziehbar sind die Ausführungen und rechtlichen Hintergründe zur Lahmheitsuntersuchung beim Pferd. Allerdings ist das BGH-Urteil zur Beweislastumkehr beim groben Behandlungsfehler nicht ganz korrekt dargestellt.

Auch die Kapitel „Kolik“ und „Atemwegserkrankungen“ sind sehr kurz beschrieben. Das beim Pferd wichtige Kapitel Narkose fehlt ganz, obwohl es hinreichend Literatur dazu gibt, während es beim Kleintier ausführlich und verständlich beschrieben wird.

Dennoch ist das vorliegende Buch ein wichtiger Beitrag, die längst überfällige Leere gegenüber dem zunehmenden Bedarf an forensischen Fragestellungen in der Tierarztpraxis zu füllen. Ob damit der Rechtssicherheit Genüge getan wird, ist bei der ständig fortschreitenden Fortbildung des Rechts keinesfalls sicher. Auch sind nicht alle Beiträge grundsätzlich für den Praxisalltag geeignet. Das Buch ist aber sehr gut geeignet, die eigene Vorgehensweise in der Praxis kritisch zu überprüfen, zu schulen und bei Unklarheiten darüber hinausgehende Rechtsinformationen einzuholen.

Thomas Steidl, Thomas Buyle, Hartwig Bostedt, Axel Wehrend (Hrsg.): Rechtssicherheit in der Tierarztpraxis. Gerichtliche Veterinärmedizin für den Praxisalltag. Thieme Gruppe 2021, 256 S., 50 Abb., ISBN 978-3-13-243412-7, gedrucktes Buch/E-Book 79,99 €

 

Entnommen aus DTBl 7/2021