Ein Überblick von Tierärzte ohne Grenzen e. V.

One Health soll Tuberkulose und Tollwut ein Ende setzen

Die Vereinten Nationen haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2030 soll Tollwut ausgerottet sein, bis 2035 soll die Tuberkuloseepidemie ein Ende haben. Das wurde 2015 in den 17 Zielen für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) der Vereinten Nationen verankert. Die Schlüsselfunktion soll hierbei der „One Health“-Ansatz sein.

Mycobacterium bovis | © Y Tambe – CC BY-SA 3.0

Tollwut eine armutsassoziierte Tropenkrankheit

Tollwut ist eine der rund 20 armutsassoziierten und vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neg-lected Tropical Diseases, kurz NTDs). Vernachlässigt deshalb, weil diesen Krankheiten im Gegensatz zu Tuberkulose, Aids und Malaria in den letzten Jahrzehnten wenig Aufmerksamkeit in Forschung und Gesundheitspolitik geschenkt wurde. Dennoch leiden weltweit mehr als eine Milliarde Menschen [1] an vernachlässigten Tropenkrankheiten. Diese Krankheiten treffen meist Bevölkerungsgruppen, die am ärmsten und am schwierigsten zu erreichen sind. NTDs greifen besonders um sich, wenn Trinkwasser- und Hygienesituation sowie Wohnverhältnisse unzureichend sind oder wenn Menschen auf engstem Raum mit Tieren leben. Denn fast alle NTDs sind Zoonosen, besitzen zoonotisches Potenzial oder werden durch Vektoren übertragen. Das verdeutlicht die enorme veterinärmedizinische Herausforderung, vor der die globalen Gesundheitsorganisationen WHO (Weltgesundheitsorganisation), OIE (Weltorganisation für Tiergesundheit) und FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) stehen. Bis 2030 sollen sieben weitere NTDs ausgerottet sein und in 12 Jahren schon soll kein Mensch mehr an Tollwut sterben.

Momentan sterben jährlich ca. 59 000 Menschen [2] an Tollwut, die meisten von ihnen sind Kinder. Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, ist sie zu 100 Prozent letal. In über 99 Prozent der Fälle sind Hundebisse die Infektionsquelle der Tollwut. Da Kinder oft im sehr engen Kontakt mit Hunden stehen, sind sie besonders gefährdet. In der Projektregion Masai Mara in Kenia von Tierärzte ohne Grenzen e. V. sind z. B. die Kinder verantwortlich für die Hütehunde in ihren Familien. Die Hütehunde schützen die Viehherden vor Wildtieren oder Diebstahl. Das Impfen von Hunden ist die effektivste Prophylaxe vor Tollwutinfektionen [3]. Doch oft fallen Hunde in vielen Ländern in eine administrative Lücke, da der Public Health-Sektor auf Humanmedizin und der veterinärmedizinische Sektor auf Lebensmittel liefernde Nutztiere fokussiert ist. Mindestens 70 Prozent einer Hundepopulation muss geimpft sein, um in endemischen Gebieten die Neuinfektionen zu kontrollieren. Seit 12 Jahren impft Tierärzte ohne Grenzen e. V. in der Masai Mara in Kenia, Hütehunde gegen Tollwut. Neben den Impfungen klären Vereinsmitarbeiter in Schulen, Kindergärten, Dörfern und Gesundheitseinrichtungen über die Viruserkrankung und ihren Übertragungsweg auf. Mit Erfolg: In der Region sind die Zahlen humaner Tollwutfälle stark zurückgegangen, Hundebesitzer sind sensibilisiert und Aufklärungsarbeit in Schulen integriert. Der Verein ist Mitglied im Deutschen Netzwerk gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (DNTDs), in dem sich unterschiedlichste Organisationen gegen den Kampf von NTDs zusammengeschlossen haben.

 

Entnommen aus DTBl 03/2018