Lokalanästhesie bei der Ferkelkastration

Die Bundesregierung betrachtet die Ferkelkastration unter Lokalanästhesie weiterhin als mögliche Alternative, die neben der Jungebermast, der Immunokastration und der Kastration unter Vollnarkose ab dem kommenden Jahr zur Anwendung kommen könnte.

Lokalanästhesie erfüllt derzeit nicht die Vorgaben des Tierschutzgesetzes.

Voraussetzung für die Rechtskonformität der chirurgischen Ferkelkastration unter Lokalanästhesie ab dem 01.01.2019 sei das Erreichen einer wirksamen Schmerzausschaltung. Nach den bisher vorliegenden wissenschaftlichen Studien werde jedoch bei der Ferkelkastration mit Procain oder Lidocain keine Schmerzausschaltung erreicht. Damit erfülle dieses Verfahren derzeit nicht die Vorgaben des Tierschutzgesetzes, und zwar unabhängig davon, ob ein Tierarzt oder ein Tierhalter die Lokalanästhesie durchführe. Daher wäre laut Bundesregierung eine Änderung des Tierschutzgesetzes erforderlich, mit der von der Anforderung der Schmerzausschaltung bei der chirurgischen Ferkelkastration abgerückt würde.

Die SPD-Bundestagsfraktion bleibt bei ihrem Nein zur Lokalanästhesie als zusätzliche Alternative. Sie lehnen den sogenannten „4. Weg“ ab, da drei praxistaugliche Alternativen zur Verfügung stehen. Demgegenüber vertritt das SPD-geführte Landwirtschaftsministerium von Mecklenburg-Vorpommern eine andere Position. Man befürworte grundsätzlich, den „4. Weg“ zuzulassen, ist aber der Auffassung, dass der 31.12.2018 als Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration praktisch nicht zu halten ist, weil die drei bekannten Alternativen von den Beteiligten nicht mit der notwendigen Stringenz verfolgt worden seien. Eine nationale Regelung in Deutschland könne zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen führen, „die Erzeuger und Politik nicht hinnehmen wollen“. Daher sei es „nur logisch“, dass nach weiteren Alternativen gesucht werde. Offen lässt man in Mecklenburg-Vorpommern, ob man sich einer Bundesratsinitiative mit Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen zur Zulassung des „4. Wegs“ anschließen werde.

 

Entnommen aus DTBl 7/2018