Keine Einigkeit beim Thema Ferkelkastration

Vom 01.01.2019 an sollte das betäubungslose Kastrieren von Ferkeln verboten sein. Doch die Koalitionsfraktionen von Union und SPD wollen eine Fraktionsinitiative auf den Weg bringen, die die laufende Übergangsfrist um weitere 2 Jahre ver‧längern soll – und das obwohl zuvor im Bundesrat alle Anträge zur Fristverlängerung abgelehnt wurden.

Kommt eine Fristverlängerung für das Verbot der betäubungslosen Kastration von Saugferkeln? | © Countrypixel – stock.adobe.com

Am 08./09.11.2018 soll es laut SPD-Fraktion dazu voraussichtlich eine Lesung im Bundestag geben. Das Bundeslandwirtschaftsministerium will eigenen Angaben zufolge eine Verordnung vorlegen, mit der es den Landwirten ermöglicht wird, nach Sachkundenachweis die Isofluran-Betäubung durchzuführen.

Beim „Schweine-Gipfel“ in Hannover forderte die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast im Falle einer Fristverlängerung, die Zeit bis 2020 zu nutzen und sieht v. a. die Verarbeitungs- und Einzelhandelsunternehmen in der Pflicht, möglichst schnell für verlässliche Vermarktungswege für Schweinefleisch zu sorgen, das unter Verzicht auf eine Kastration männlicher Ferkel erzeugt wurde.

Aufgrund der Ergebnisse eines Fachgesprächs der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen steht inzwischen die Vermutung im Raum, dass eine Fristverlängerung verfassungswidrig wäre. Da der den Alternativen zur betäubungslosen Kastration zur Verfügung stehen, besteht aus Sicht der Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e. V. (TfvL) kein vernünftiger Grund für eine Fristverlängerung. Die Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin e. V. (GGTM) wirft der Bundesregierung vor, sich mit der Initiative dem ökonomischen Druck des Bauernverbands und der Ferkelerzeuger zu beugen.

Den „4. Weg“ hält die Bundestierärztekammer (BTK) nach jetzigem Stand der Wissenschaft und gemessen am Ziel, den Tierschutz zu verbessern, von allen diskutierten Alternativen für keine gangbare Alternative. Eine Änderung des Tierschutzgesetzes, in der der Begriff „Schmerzausschaltung“ durch den Begriff „Schmerzminderung“ ersetzt würde, um die Lokalanästhesie durch die Landwirte zu ermöglichen, wäre inakzeptabel.

Einwände gegen die Immunokastration hält das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) für unbegründet. Denn aus Sicht des wissenschaftlichen Tierschutzes stelle dieses Verfahren die mit Abstand beste Alternative zur betäubungslosen Kastration dar. Der Impfstoff sei im Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit unbedenklich. Beim Fleisch geimpfter Tiere handele es sich auch nicht um „Hormonfleisch“. Zwar werde mit der Impfung in den Hormonhaushalt der Tiere eingegriffen; dies passiere jedoch bei jeder Form der Kastration. Unter Kostengesichtspunkten weise die Immunokastration Vorteile gegenüber anderen Alternativen auf, weil geimpfte Tiere eine bessere Zunahme und Futterverwertung zeigten als chirurgisch kastrierte Tiere.

 

Entnommen aus DTBl 11/2018