DVG-Konsiliarlabor für Rabbit Haemorrhagic Disease Virus

„Kaninchen-Ebola“ – Übertreibung oder Realität?

Das Rabbit-Haemorrhagic-Disease-Virus(RHDV)-Labor am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erhielt am 01.07.2017 von der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) die Ernennung zum Konsiliarlabor, das sich hier kurz vorstellt.

Abb. 1: Weltweiter „RHD disease status“ im Zeitraum vom 01.01. bis 31.12.2019 (Quelle: Wahis OIE) | © Patrick Wysocki, Institut für Epidemiologie (IfE), FLI, Insel Riems

Die hämorrhagische Krankheit der Kaninchen, Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD), ist seit den 1980er-Jahren bekannt und wird durch ein Calicivirus verursacht. Das RHD-Virus (RHDV) ist ein kleines unbehülltes RNA-Virus ohne zoonotisches Potenzial.

2010 ist in Europa RHDV2 aufgetreten, eine bisher unbekannte Variante des Erregers [1]. Der Erstnachweis in Deutschland erfolgte 2013. Bis 2016 verbreitete sich der neue Genotyp in ganz Deutschland und hat aktuell die klassische RHD des Genotyps 1 weitgehend verdrängt. Beide Genotypen sind mittlerweile weltweit verbreitet (Abb. 1).

Infizierte Tiere scheiden RHDV in extrem hohen Mengen in Sekreten, Kot, Urin und Blut aus. Die Viren werden in erster Linie durch direkten Kontakt übertragen, eine Ansteckung kann aber auch effizient über kontaminierte Gegenstände erfolgen (Bekleidung, Schuhwerk, Geräte, Käfige).

 

Entnommen aus DTBl 10/2020