Der Laufband-Fitnesstest für den Mops

Hat der „fidele Mops“ noch eine Zukunft?

Um die Gesundheit der Rasse und die Empfehlungen für die Zuchtverwendung zu verbessern, wird derzeit ein Fitnesstest für brachyzephale Rassen am Beispiel der Rasse Mops evaluiert.

© Nancy Wong, CC_BY_SA 4.0

Qualzucht ist für die gesamte Tierzucht ein beschämendes Ereignis. Dieses Fehlverhalten hat auch vor der Hundezucht nicht haltgemacht. Es ist schwer erklärbar, dass wir alle, die wir uns für Tierfreunde halten, dieses eindeutig tierschutzrelevante Verhalten nicht früh genug als solches wahrgenommen haben. Der grenzenlose menschliche Drang zur Kreativität und das Unvermögen, die Bedürfnisse des Tieres richtig einzuschätzen, haben zu einer derartigen Sorglosigkeit geführt.

Züchtungen, die zum Leiden des Tieres führen, entstehen in der Regel nicht durch einmalige Ereignisse, sie schleichen sich vielmehr in kleinen Schritten an. Rassetypische Merkmale werden, modisch inspiriert, übertrieben, bis sie schließlich zu Behinderungen geworden sind. Derartige Fehlentwicklungen werden erst ernst genommen, wenn das Ende der Sackgasse erreicht ist.

Wege aus der Qualzucht

Auf Initiative der Bundestierärztekammer (BTK) haben sich 2017 Vertreter der BTK, der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG), des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH) und der Gesellschaft zur Förderung kynologischer Forschung (GKF) zusammengeschlossen, um Wege zu finden, die aus der Qualzucht führen. Im Fokus stehen zunächst die brachyzephalen Rassen. In dieser recht umfangreichen Gruppe reagieren die verschiedenen Rassen sehr unterschiedlich auf die Folgeerscheinungen der Brachyzephalie. So ist z. B. der Boxer noch immer ein sehr sportlicher Hund, dessen körperliche Leistungen mit jeder anderen Gebrauchshunderasse vergleichbar sind, während andere Rassen Probleme haben, die Anforderungen des täglichen Lebens zu bewältigen.

In der Hundezucht ist der Mops geradezu zum Symbol der Qualzucht geworden. Dies hat verschiedene und durchaus plausible Gründe: Wegen seiner Originalität erfreut er sich als eine der ältesten deutschen Hunderassen mit Recht besonderer Beliebtheit, was wiederum Grund für seine große Verbreitung ist. Insbesondere aber liegt es daran, dass sein Leiden nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar ist und dass es eine Grundeigenschaft des Lebendigen trifft, nämlich die Atmung. Jede Art von Beeinträchtigung mindert die Lebensqualität und führt letztlich zur Qual. Aber Atemnot bedeutet zusätzlich noch Lebensangst und das geht weit über eine Beeinträchtigung hinaus und bedarf dringender Hilfe.

Grundsätzlich stehen der Tierzucht zur Sanierung einer Rasse v. a. zwei Möglichkeiten zur Verfügung, nämlich die Einkreuzung einer fremden Rasse oder eine radikale Änderung der bisherigen Zuchtrichtung. Der erste Weg ist zwar der einfachste und auch kurzfristig zu bewältigen. Er muss aber teuer bezahlt werden, denn bei einer Einkreuzung gibt man natürlich die Ausgangsrasse endgültig aufgegeben, ohne sicher sein zu können, dass der Versuch erfolgreich sein wird. Natürlich sind Maßnahmen zur Veränderung der Zuchtrichtung beschwerlicher und v. a. auch zeitaufwendiger. Es bestehen aber gute Erfolgsaussichten, wenn gewährleistet ist, dass es noch genügend Hunde mit einer guten Lebensqualität gibt. Damit ist im Falle des Mopses zweifellos zu rechnen.

BTK, DVG, VDH und GKF schlagen in ihrem gemeinsamen Bemühen den züchterischen Weg der Sanierung ein und versuchen Hunde zu finden, die als optimale Zuchtauslese für kommende Generationen eingesetzt werden können.

Fitness als Zuchtgrundlage

Für den Erfolg der Zuchtauslese wird die Auswahl des Merkmals, das der neuen Zuchtrichtung zugrunde liegen soll, entscheidend sein. In den Niederlanden hat man sich für die Nasenlänge des Hundes entschieden. Dies allein scheint uns nicht zielführend zu sein. Natürlich steigt mit der Verkürzung der Nase das Risiko der Kurzatmigkeit. Aber es gibt auch Möpse mit sehr kurzen Nasen, denen es offenbar gut geht und andererseits solche, die mit gut ausgebildeter Nase nach Luft ringen. Offenbar ist also nicht die Nasenlänge ein wichtiges Kriterium, sondern die anatomischen Verhältnisse im Nasen- und Rachenraum. Im Übrigen ist es schwierig, beim nicht sedierten Mops ohne bildgebende Verfahren die Nasenlänge exakt zu bestimmen. Dies verhindert eine dicke Hautfalte am Übergang zwischen Oberkopf und Nasenansatz.

Da die Atemnot durchaus nicht das einzige, sondern nur das auffälligste belastende Merkmal der Brachyzephalie ist, zielt auch unsere Auslese nicht auf ein einziges anatomisches Merkmal ab. Vielmehr soll ein Wert, der die allgemeine Fitness des Hundes beschreibt, Ziel der Untersuchungen sein.

Erprobung eines Fitnesstest

Bereits seit 2009 ist im VDH für den Mops ein Belastungstest Voraussetzung für seine Zuchtverwendung. Auch hier geht es darum, Tiere mit zu geringer Belastbarkeit von der Zucht auszuschließen. Dieser recht simple Test reichte für diesen Zweck zwar aus, denn solche Hunde wurden erst gar nicht zum Test vorgestellt. Wegen der ungleichen äußeren Bedingungen, die nur im Labor vermeidbar sind, war er aber wissenschaftlich nicht verwendbar.

Dies soll sich jetzt durch einen Fitnesstest ändern, der von Prof. Ingo Nolte an der Tierärztlichen Hochschule Hannover entwickelt wurde. Es handelt sich um einen standardisierten submaximalen Fitnesstest auf dem Laufband. Er findet stets unter der Aufsicht eines qualifizierten Tierarztes in einem ruhigen Raum mit einer Umgebungstemperatur von 20 bis 23 °C und konstanter Luftfeuchtigkeit statt. Am Anfang steht eine klinische Allgemeinuntersuchung, wobei besonderes Augenmerk auf Atmung und Atemgeräusche, Pulsfrequenz, Körpertemperatur und Gewicht gelegt wird. Für die Eingewöhnung auf dem Laufband stehen den Hunden 10 Minuten zur Verfügung. Dem schließt sich eine Pause von 15 Minuten an. Danach beginnt der eigentliche Lauftest, der insgesamt 15 Minuten beträgt. Atem- und Herzfrequenz werden vor, während und nach dem Lauf gemessen. Die kontinuierliche Messung während des Laufs erfolgt mithilfe eines Brustgurts. Während des Laufens soll die Herzfrequenz mindesten 40 Prozent über dem Ausgangsniveau liegen. Übersteigt die maximale Herzfrequenz 80 Prozent des Ausgangswertes, muss die Geschwindigkeit reduziert bzw. der Lauf abgebrochen werden. Nach einer Erholungsphase von 15 Minuten soll die Atmungs- und Herzfrequenz sich wieder im Bereich des Ausgangswertes befinden. Die Toleranz liegt bei 10 Prozent des Ruhewertes. Anhaltendes Hecheln und pathologische Atemgeräusche führen zum Ausschluss. Eine Wiederholung des Tests ist frühestens nach 4 Wochen möglich.

Untersuchungen mit dem Ziel wissenschaftlicher Belastbarkeit bedürfen einer Evaluierung. So ist auch für den Fitnesstest eine zweijährige Bewertungszeit vorgesehen. Während dieser Zeitspanne ist der Test für die Hundebesitzer kostenfrei. Die Kosten werden von der Gesellschaft zur Förderung kynologischer Forschung (GKF) übernommen. Jeder Mops, auch solche, die nicht im VDH gezüchtet wurden, können zu dem Test angemeldet werden. Der Besitzer erhält einen ausführlichen Befundbogen, der bei bestandenem Test nach der Evaluierung in ein Zertifikat umgewandelt werden kann. Der Test kann an vier der veterinärmedizinischen Bildungsstätten absolviert werden und zwar in Gießen, Hannover, Leipzig und München (Adressen zur Anmeldung s. u.).

Sofern die Evaluierung erfolgreich verläuft, ist vorgesehen, dass praktizierende Tierärzte, die die Testbedingungen gewährleisten können, den Test kostenpflichtig in ihrer Praxis anbieten können. Darüber hinaus könnte er u. a. auch für Amtstierärzte für das Aussprechen von Zuchtverboten nützlich sein.

Auslese des fidelen Mopses

Der Fitnesstest ist keineswegs geeignet, den momentanen Zustand der Rasse Mops abzubilden, denn Hunde mit erheblichen Beschwerden werden sich natürlich nicht dem Test stellen. Was wir aber erwarten können, ist eine zuverlässige Auslese von Tieren mit guter Lebensqualität, die dann als Zuchtbasis für künftige Generationen eingesetzt werden können. Der Erfolg hängt nunmehr weitgehend von der Aktivität der Hundebesitzer und Züchter ab.

Natürlich wird auch der „gesunde Mops“ kein Leistungssportler sein. Das wäre aber ein völlig falscher Anspruch, denn auch der gesunde Dackel erbringt nicht die Laufleistung eines Saluki und dieser wiederum hat wenig Eignung zum Blindenführhund. Jeder Rassehund hat im Vergleich zu anderen Rassen Defizite, aber eben auch Stärken. Und gerade diese Unterschiedlichkeit macht den Reiz der Rassezucht aus. Bei aller dringenden Notwendigkeit, Qualzuchten zu unterbinden, dürfen wir nicht in den Fehler verfallen, „anders sein“ bereits als Mangel oder gar Qual anzusehen. Der Mops war nie ein „Arbeitstier“. Er ist seit Jahrhunderten ein fröhlicher und einzigartiger Begleiter des Menschen. Das ist sein „Job“ und es ist unsere Pflicht und Aufgabe, diesem „fidelen Mops“ eine unbeschwerte Zukunft zu sichern.

Hier können Mopsbesitzer ihre Tiere zum Fitnesstest anmelden
Justus-Liebig-Universität Gießen, Klinik für Kleintiere – Chirurgie, Prof. Dr. Martin Schmidt, Martin.J.Schmidt@vetmed.uni-giessen.de
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Klinik für Kleintiere, Prof. Dr. Ingo Nolte, Ingo.nolte@tiho-hannover.de
Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät, Klinik für Kleintiere, Dr. Sarah Rösch, Hno@kleintierklinik.uni-leipzig.de
Ludwig-Maximilians-Universität München, Chirurgische und Gynäkologische Kleintierklinik, Prof. Dr. Meyer-Lindenberg und TÄ Maike Schroers, vorstandsassistenz@chir.vetmed.uni-muenchen.de
Weitere Informationen: www.vdh.de/fileadmin/media/news/2019/GKF_Flyer-Mops-20190628.pdf

 

Entnommen aus DTBl 11/2019