Tierquälerei als Indiz für Gewalt gegen Menschen

Gewalt gegen Tiere

„When animals are abused, people are at risk; when people are abused, animals are at risk“ [1]. Dieser Beitrag soll Tierärzte/-innen gegenüber versteckter bzw. bis dato nicht erkannter Gewalt gegen Tiere sensibilisieren und darstellen, wie und woran Gewalt gegen Tiere im Praxisalltag zu erkennen ist. Darüber hinaus wird diskutiert, wie man als Tierarzt mit einem diesbezüglichen Verdacht umgeht und mit welchen Möglichkeiten konsekutive Gewalt gegen Menschen in der Familie verhindert werden kann.

Anzeichen für häusliche Gewalt ergeben sich manchmal durch den Besuch beim Tierarzt. | © SpeedKing/shutterstock

Seit 2002 ist der Tierschutz als Staatsziel im deutschen Grundgesetz verankert, Tierquälerei ist gemäß § 17 Tierschutzgesetz strafbar. Tiere können, wie Menschen, Angst und Schmerz verspüren und verdienen es, um ihrer selbst willen davor geschützt zu werden. Darüber hinaus findet Tierquälerei nicht in einem Vakuum statt, sondern kann Teil eines Musters gefährlichen und asozialen Verhaltens sein, das auch Menschen gefährdet [2]. Seit über 20 Jahren belegen weltweite Studien, dass Gewalt gegen Tiere häufig Gewalt gegen Menschen (Kindesmisshandlungen/häusliche Gewalt) vorausgeht oder mit dieser gekoppelt sein kann.

Tierquälerei innerhalb einer Familie kann also ein (Früh-)Indikator dafür sein, dass es neben einem vierbeinigen Opfer auch Menschen in dieser Familie gibt, die unter Gewalt zu leiden haben [3, 4]. Gewalt gegen Tiere ist dabei keine ausschließlich innerfamiliäre Tragödie, sondern kann durchaus Konsequenzen für die Gesellschaft haben. Im Extremfall findet sich in den Lebensläufen von Gewalttätern häufig eine Historie der Tierquälerei in Kindheit und Jugend [5].

 

Entnommen aus DTBl 12/2018