Datenbank „NS-Schicksale“ ist online

Gedenken an die im Nationalsozialismus verfolgten jüdischen Tiermediziner

Auf Initiative und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG), Fachgruppe „Geschichte der Veterinärmedizin“, wurde auf der Webseite der Bundestierärztekammer (BTK) eine Datenbank zum Gedenken an die im Nationalsozialismus verfolgten Tiermediziner eingerichtet. Diese ging am 09.11.2020 online unter: www.bundestieraerztekammer.de/ns-schicksale.

© Gemeindearchiv Westerkappeln/© Heimatgeschichtlicher Arbeitskreis Elzach

Das linke  Foto zeigt einen zutiefst gedemütigten, verletzten Mann: Dr. Feodor Block, Tierarzt in Westerkappeln (Nordrhein-Westfalen), Lehrer an der dortigen Landwirtschaftsschule und Frontkämpfer des 1. Weltkriegs. In der Nacht vom 09. zum 10.11.1938 stürmte eine Horde von örtlichen NSDAP-Mitgliedern sein Haus, darunter eigene Schüler aus der Landwirtschaftsschule, demolierte es und verletzte auch ihn selbst erheblich. Dem Ehepaar Block blieb zunächst nur die überstürzte Flucht nach Osnabrück und weiter nach Köln zu Verwandten, wo Dr. Block seine Verletzungen auskurieren konnte. Unter dem Eindruck dieser Ereignisse entstand das Foto für einen Reisepass zur Flucht aus Deutschland. Familie Block gelang es, zunächst in die vermeintlich sicheren Niederlande, nach Deventer, zu Verwandten auszuwandern. Doch nach Besetzung der Niederlande durch Nazi-Deutschland wurde das Ehepaar am 03.10.1942 in Westerbork interniert. Von dort erfolgte am 21.04.1943 die Deportation ins Ghetto Theresienstadt. Mit dem Transport vom 28.10.1944 wurden sie weiter nach Auschwitz verschleppt, wo sie nach wenigen Tagen am 30.10.1944 in den Gaskammern ermordet wurden.

Alle jüdischen Tiermediziner waren gut in die deutsche Gesellschaft integriert und geachtete Mitbürger in ihren Heimatgemeinden. So wie Dr. Bruno Türkheimer (Foto rechts), der wie etwa 100 000 andere Juden im 1. Weltkrieg im deutschen Heer diente und danach als praktischer Tierarzt in Elzach (Schwarzwald) arbeitete. Er war bei den Bauern sehr beliebt. Nachdem er im November 1938 fast 3 Wochen im KZ Dachau inhaftiert war, verließ die Familie fluchtartig Deutschland, emigrierte in die USA und kehrte nie wieder zurück.

 

Entnommen aus DTBl 12/2020