Funde tropischer Zeckenarten in Deutschland

Die tropischen Zeckenarten der Gattung Hyalomma fühlen sich bei heißen Temperaturen pudelwohl – und könnten sich künftig möglicherweise auch in Deutschland ausbreiten.

Hyalomma marginatum (r.) im Vergleich zum Gemeinen Holzbock | © IMB/Lidia Chitimia-Dobler

Sieben Exemplare haben Zeckenforscher an der Universität Hohenheim in Stuttgart und ihre Kollegen am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München in diesem Jahr nachgewiesen. Die Zahl klingt überschaubar, doch bei den Forschern lässt sie die Alarmglocken schrillen. Sie befürchten, dass sich die Blutsauger hier etablieren könnten. Und ein weiterer Punkt beunruhigt sie: Ein Exemplar trug ein gefährliches Bakterium in sich, Rickettsia aeschlimannii, einen bekannten Erreger des Zecken-Fleckfiebers.

Die vergleichsweise großen Tiere mit den auffällig gestreiften Beinen waren in diesem Jahr im Raum Hannover, in Osnabrück und in der Wetterau aufgetaucht, vermutlich über Vögel eingeschleppt. Experten vermuten, dass diese Zeckenarten in Deutschland Einzug halten könnten. Überraschend sei diese Entwicklung aufgrund der Klimaerwärmung und des aktuell heißen und trockenen Sommers allerdings nicht. So habe sich z. B. Ixodes inopinatus aus dem Mittelmeerraum inzwischen bis Dänemark ausgebreitet. Die große Frage sei nun bei den beiden Hyalomma-Arten, ob es sich noch um einzelne eingeschleppte Exemplare handelt oder ob sich die Arten hier etabliert haben.

Zwar seien in den in Deutschland gefundenen Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes noch keine Krankheitserreger der Lyme-Borreliose oder der FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) nachgewiesen worden, doch bergen auch diese Blutsauger Risiken. Beide Arten gelten insbesondere als wichtige Überträger des Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers, des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers und einer Form des Zecken-Fleckfiebers. Daneben sind sie wichtige Überträger tropischer Erkrankungen der Nutztiere. So wurde in einem der gefundenen Exemplare der Erreger einer tropischen Form des Zecken-Fleckfiebers nachgewiesen.

 

Entnommen aus DTBl 9/2018