Erneute Kritik an Verbot der Immunokastration für Bio-Eber

Der Anbauverband Naturland, die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) und die Tierschutzorganisation Provieh haben gemeinsam die Bundesländer aufgefordert, ihren unkoordinierten Ausstieg aus der Impfung gegen Ebergeruch im Ökolandbau bis zur endgültigen Klärung mit der EU-Kommission zurückzunehmen.

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Wie die drei Organisationen Anfang September in einer gemeinsamen Pressemeldung mitteilten, sei bei der Agrarministerkonferenz Ende August ein weiteres Mal deutlich geworden, dass die Bundesländer bei diesem Thema zutiefst gespalten seien; neun von ihnen hätten sich für die Impfung ausgesprochen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sei aufgefordert worden, die Vorschriften zur Impfung bis Anfang 2021 auf EU-Ebene zu klären. Die drei Verbände wiesen darauf hin, dass die EU bereits 2011 beschlossen habe, bis 2018 aus der Ferkelkastration gänzlich auszusteigen, wobei das Ziel nicht erreicht worden sei. In Deutschland endet die betäubungslose Ferkelkastration am 01.01.2021. Es sei komplett inkonsequent, die bereits bei zahlreichen Ökobetrieben etablierte Impfung zu verbieten und die Betriebe zu zwingen, wieder chirurgisch zu kastrieren. Zahlreichen Experten zufolge stelle die Immunokastration neben der Ebermast die tierschonendste Alternative zur Kastration dar. Mit einem Verbot der Impfung ausgerechnet im Ökolandbau stehe ein reibungsloser Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration auf dem Spiel und Deutschland könne im Tierschutz massiv zurückfallen.

Die EU-Kommission hatte die Immunokastration von Bio-Ebern im Juni als nicht rechtskonform mit der EU-Ökoverordnung eingestuft, woraufhin die Länderarbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (LÖK) und einige Bundesländer die Impfung gegen Ebergeruch auf Bio-Betrieben nicht mehr akzeptieren.

 

Entnommen aus DTBl 10/2020