Ein komplexes Krankheitsbild belastet das Wohl der Tiere

Entzündungs- und Nekrosesyndrom beim Schwein (SINS)

Entzündungen und Nekrosen führen zu Schmerzen, Leiden und Schäden und kennzeichnen die tierschutzrelevante Haltung. Standen bislang allein antagonistische Verhaltensweisen im Zentrum der Betrachtung, kommen heute Beobachtungen von Entzündungen und Nekrosen hinzu, die ohne Zutun anderer Schweine zustande kommen und nicht allein durch Technopathien erklärt werden können. Dabei sind es nicht nur Läsionen am Schwanz, betroffen sind ferner Ohren, Kronsaum, Ballen, Sohle, Gesäuge, Nabel und Gesicht. Besonderheiten und Ursachen sind hier kurz zusammengefasst.

© Lechner

Das Wohl der Schweine wird von einer breiten Palette an Faktoren beeinflusst. Durch Aufwertung der Umgebung der Schweine im Sinne des „environmental enrichment“ sollen die natürlichen Verhaltensweisen zusätzlich stimuliert werden, auch um antagonistische Verhaltensweisen zu reduzieren (z. B. Schwanzbeißen) [1–3]. Allerdings kann antagonistisches Verhalten derzeit trotzdem in keiner Haltung sicher und nachhaltig ausgeschlossen werden [4]. Die Bewertung des Tierwohls erfolgt anhand der Unruhe der Tiergruppen, dem Auftreten von Aggressionen und der Verwendung des angebotenen Enrichment-Materials [5–8], aber auch anhand des Gesundheitsstatus (z. B. Störungen des Respirationstrakts, Lahmheiten, Schwanzverletzungen), dem Auftreten von Entzündungen und der Anzahl behandlungsbedürftiger Schweine [9,10].

Abb. 1: Entzündungen und Nekrosen am Saugferkelschwanz. A) Intakter Schwanz; keine Schwellung, keine Rötung, keine Auflagerungen oder Ausschwitzungen, volle Beborstung. B) Erste Stufe der Veränderung: Borstenausfall und Schwellung. C) Rötung kommt hinzu. D–G) Verschiedene Grade von Schwanzbasisentzündung und Nekrose. Bei D) ist die Epidermis noch intakt. H) Schwere Nekrose. I) Schwanzspitzennekrose.

 

Entnommen aus DTBl 3/2019