Aufgaben und diagnostisches Portfolio

DVG-Konsiliarlabor für Equine Herpesviren

Das Institut für Virologie der Freien Universität (FU) Berlin ist seit seiner Ernennung durch die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) am 01.02.2016 Konsiliarlabor für Equine Herpesviren. Hier ein Überblick über die Aufgaben und das diagnostische Portfolio des Labors.

Nasenausfluss kann ein Indiz für eine EHV-Infektion beim Pferd sein. | © tstockphoto – stock.adobe.com

Equine Herpesviren

Die aktuelle Taxonomie fasst Herpesviren in einer neuen Ordnung, den Herpesvirales, zusammen, die in drei Familien unterteilt ist: Herpesviridae, Alloherpesviridae und Malacoherpesviridae. Die Familie Herpesviridae, die Säugetier-, Vogel- und Reptilienviren repräsentiert, besteht aus drei Unterfamilien: Alpha-, Beta- und Gammaherpesvirinae.

Bei Equiden wurden bisher neun Herpesviren identifiziert, von denen EHV-1 (Pferdeabortvirus), EHV-3 (Koital-Exanthem-Virus), EHV-4 (Rhinopneumonitis-Virus), EHV-6 (Asinines Herpesvirus 1), EHV-8 (Asinines Herpesvirus 3) und EHV-9 (Gazelle-Herpesvirus 1) zum Genus Varicellovirus der Unterfamilie Alphaherpesvirinae gehören. Die anderen drei Viren, EHV-2, EHV-5 und EHV-7 (Asinines Herpesvirus 2), gehören zur Unterfamilie der Gammaherpesvirinae.

Das Pferd bzw. der Esel sind die definitiven Wirte aller equinen Herpesviren, mit Ausnahme des EHV-9, das ein neurotropes Virus ist und ursprünglich aus Gazellen isoliert wurde.

EHV-1 und EHV-4 sind wohl die relevantesten Herpesviren, die Equiden befallen, und wurden bis 1981 als Subtypen ein und derselben Virusart betrachtet. Wie alle Herpesviren besitzen sie ein lineares doppelsträngiges DNA-Genom. Obwohl beide Viren einen hohen Grad an genetischer und damit antigenetischer Ähnlichkeit aufweisen, unterscheiden sie sich auffallend in ihrer Pathogenese. Während sich die EHV-4-Infektion in der Regel hauptsächlich auf die oberen Atemwege beschränkt, ist EHV-1 ein sich systemisch ausbreitendes Virus, das mehrere Organsysteme befällt und verschiedene Krankheitsbilder verursacht. Diese reichen von einer leichten Rhinopneumonitis bis hin zu Abort und tödlicher Myeloenzephalopathie.

Sowohl EHV-1 als auch EHV-4 haben erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf die Pferdeindustrie. Trotz der weit verbreiteten Impfung verursachen die beiden Viren immer noch erhebliche Probleme. In den letzten Jahren wurden Anstrengungen unternommen, um die Mechanismen, die die Persistenz und die unterschiedliche Pathogenität der beiden Viren erklären könnten, umfassender zu verstehen und rationell Impfstoffe zu entwickeln.

 

Entnommen aus DTBl 8/2019