Steckbrief einer invasiven Art

Der Muntjak

Praktizierende Tierärzte, egal ob im Kleintier-, Pferde- oder Nutztierbereich, stehen mitunter vor der Herausforderung, mit einer ihnen unbekannten Spezies konfrontiert zu werden.

Männlicher Chinesischer Muntjak | © Erlebnis-Zoo Hannover

Die Wahrscheinlichkeit hierfür steigt mit zunehmender Haltung exotischer Arten. Ein Beispiel dafür ist die in den letzten Jahren angestiegene Zahl an Neuweltkameliden in Privathaltungen im deutschsprachigen Raum. Eine weitere Tierart, die in den nächsten Jahren in Deutschland eine Rolle spielen könnte, ist der Muntjak, eine kleine, hierzulande nicht heimische Hirschart, die hier kurz vorgestellt wird.

Muntjaks werden derzeit v.a. in Zoos gehalten, aber es gibt sie auch vereinzelt in Privathaltungen. Muntjaks sind in der EU als „invasive Art“ eingestuft, da sie aufgrund ihrer Biologie eine Gefahr für das heimische Ökosystem darstellen und sie sich in mehreren EU-Mitgliedsstaaten bereits in freier Wildbahn angesiedelt haben. Die Haltung von Muntjaks innerhalb der EU ist deshalb streng geregelt und sollte grundsätzlich kritisch hinterfragt werden. Besonders das Entkommen fortpflanzungsfähiger Tiere gilt es zu vermeiden.

Ziel dieses Artikels ist es, ein Basiswissen über die Biologie und Verbreitung dieser Tierart zu vermitteln sowie einen Einblick in typische Erkrankungen von Muntjaks zu geben. Da der Muntjak in der tiermedizinischen Literatur bisher nur am Rande behandelt wird, können jedoch keine „Patentlösungen“ angeboten werden. Gerade bei nicht alltäglichen Spezies ist ein stetiger kollegialer Austausch bezüglich der eigenen Erfahrungen nötig.

 

Entnommen aus DTBl 9/2019