Von Gleichwertigkeits-, Kenntnis- und Sprachprüfungen

Chancen geflüchteter Tierärzte in Deutschland

Die Flüchtlingszahlen in Deutschland stiegen 2015 stark an. Tausende Asylsuchende befanden sich auf dem Weg von Afrika und Asien nach Europa, unter ihnen auch Tierärzte. Historisch betrachtet sind Migrationsbewegungen nicht neu – weder in gesellschaftlicher Hinsicht noch aus dem Blickwinkel der Tierärzteschaft. Nachfolgend wird auf der Basis historischer und aktueller Daten auf die Bedeutung von Migration und Integration für den tierärztlichen Berufsstand aufmerksam gemacht.

Abb. 1: Ausländeranteil an der Tierärzteschaft der BRD (1963–2018). (Die Daten für 2005 bis 2008 konnten infolge der Auflösung der Zentralen Tierärztedatei 2018 nicht rekonstruiert werden [3]).

Ausländische Tierärzte in Deutschland

Die Zahl ausländischer Tierärzte in der BRD wird seit 1963 in der Tierärztestatistik im Deutschen Tierärzteblatt veröffentlicht. In den 1960er-Jahren spielten Ausländer unter den Tierärzten kaum eine Rolle. Ihr Anteil lag bei unter einem Prozent und stieg in den folgenden Jahrzehnten langsam an. Erst in den letzten Jahren ist ein etwas deutlicherer, aber dennoch geringer Anstieg auf 4,12 Prozent Ende 2018 zu beobachten (Abb. 1) [1]. Der Anteil nicht deutscher Einwohner an der Gesamtbevölkerung betrug im Vergleich dazu Ende 2018 mit 12,2 Prozent [2] das Dreifache.

Interessant ist ein Vergleich zwischen Tierärzte- und Ärzteschaft: Die Ärztestatistik weist die Zahl berufstätiger Ärzte ausländischer Herkunft aus. In der Tierärztestatistik sind die ausländischen Kammermitglieder dargestellt ohne Bezug zur Berufstätigkeit. Setzt man diese hilfsweise zu den tierärztlich tätigen Vertretern der Berufsgruppe in Relation, so zeigt sich trotz der nur eingeschränkten Vergleichbarkeit, dass der Ausländeranteil an der Ärzteschaft deutlich höher liegt (Abb. 2). Zudem ist dieser Anteil in den letzten 25 Jahren exponentiell erheblich stärker angestiegen als bei den Tierärzten.

 

Entnommen aus DTBl 4/2020