Bundesregierung will Umwelteffekte von Insektenprotein prüfen

Die Bundesregierung will in diesem Jahr 5 Mio. € für Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit Bezug zu Insektenproteinen ausgeben. Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion zur Erschließung alternativer Eiweißquellen hervor.

Larven der schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens). | © namsom1988 – stock.adobe.com

Die Fraktion hält auch angesichts der rasant steigenden Weltbevölkerung die Suche nach alternativen Eiweißquellen für dringend notwendig. Die Verwendung von Insekten als Lebens- und Futtermittel könne umweltbedingte Vorteile haben, denn hochwertiges Futtersubstrat werde von Insekten effizient verwertet, erläutert die Regierung. Die Abschätzung eines möglichen Mehrnutzens von aus Nutzinsekten gewonnenem Protein für die Fütterung von Nutztieren sei aber noch verfrüht. Einzelne Publikationen würden derzeit davon ausgehen, dass bei der Erzeugung von tierischem Protein aus Insekten ein geringerer Flächen- sowie Wasserbedarf als bei der Erzeugung von tierischem Protein im Rahmen der konventionellen Tierhaltungsverfahren bestehe. Bisherige Untersuchungen würden aber auch darauf hinweisen, dass große Unterschiede zwischen unterschiedlichen Insektenarten sowie aufgrund der eingesetzten Aufzuchtmethoden bestünden. Vor einer umfangreicheren Verwendung von Insekten als Futtermittel sollten deshalb die Auswirkungen der Aufzucht unterschiedlicher Insektenarten auch mit Blick auf die Treibhausgasemissionen eingehender untersucht werden, erklärt die Bundesregierung.

Zurzeit werde daran geforscht, ob die Nutzung von Insekten als Eiweißquelle das Potenzial habe, pflanzliche Eiweißfuttermittel zu ersetzen. Wenn diese Eiweißfuttermittel – z. B. Sojaschrot – aus Importen stammten, dürfte mit der Substitution auch eine CO2-Einsparung durch kürzere Transportwege sowie ein geringerer Bedarf an landwirtschaftlicher Nutzfläche für die Eiweißerzeugung in Drittländern einhergehen. Aber auch negative Umwelteffekte seien zu berücksichtigen. Die Verarbeitung ganzer Insekten mit Darm könne zu einer Verbreitung von humanpathogenen Keimen führen, wenn die verarbeiteten Tiere mikrobiell belastet seien, gibt die Regierung zu bedenken. Zudem könnten Insekten aus den Anlagen entweichen und als invasive Arten die Umwelt gefährden. Unklar sei auch die Allergensituation bei den in der Produktion arbeitenden Menschen. Laut Bundesregierung ist nach EU-Recht bisher nur die Fütterung von Tieren in der Aquakultur mit verarbeitetem tierischem Protein aus Nutzinsekten zulässig. Beraten werde auf EU-Ebene, ob dies auch für Geflügel erlaubt werden solle.

 

Entnommen aus DTBl 2/2020