Beamtete Tierärzte gegen Lebendtiertransporte in Drittländer

Der Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT) hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bundesentwicklungsminister Gerd Müller in Briefen dazu aufgefordert, sich für eine EU-Institution einzusetzen, die für eine Bewertung tierschutzgerechter Transportmöglichkeiten bei Langstreckentransporten in Drittländer zuständig ist. Bis dahin seien die Transporte auszusetzen.

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Hintergrund dieser Forderung ist, dass die Amtstierärzteschaft die langen Beförderungen von Zucht- und Nutztieren in Drittländer grundsätzlich ablehnt, rechtlich aber von ihnen verlangt werde, als „Fachleute“ die Transportbedingungen und -routen sowie die Eignung der Versorgungsstellen bis zum Bestimmungsort dieser Transporte umfassend zu prüfen. Diese Beurteilung sei realitätsnah faktisch aber nicht möglich: Überprüfungen in der Vergangenheit hätten eine deutliche Inkongruenz zu den von den Exporteuren vorgelegten Transportunterlagen gezeigt, was aber erst nach den Transporten habe festgestellt werden können. Darüber hinaus sei einem großen Teil der Bevölkerung Deutschlands die Notwendigkeit dieser Transporte nicht zu vermitteln; den beamteten Tierärzten werde hier eine moralische Mitschuld angelastet. Zudem sähen sie sich strafrechtlichen Anschuldigungen ausgesetzt, auch wenn sie durch verwaltungsrechtliche Entscheidungen zur Abfertigung dieser Transporte und Ausstellung der Tiertransportbescheinigungen gezwungen worden seien. Diese Situation sei „im höchsten Maße belastend“.

 

Entnommen aus DTBl 11/2020