Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Anwendung von Gentamicin bei Pferden

Seit Oktober 2016 sind gehäuft Meldungen zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) nach intravenöser Verabreichung von Gentamicin beim Pferd im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingegangen.

Erhöhtes Aufkommen von UAWs nach intravenöser Gabe von Gentamicin verschiedener Hersteller

Die betroffenen Pferde zeigten kurz nach der intravenösen Injektion von Gentamicin kolikartige Symptome wie Stöhnen, Flehmen, starkes Schwitzen, Scharren, Tachypnoe, Tachykardie, Hinlegen und Wälzen. Auch von Zittern und Muskeltremor wurde berichtet. Diese Symptome sprechen für eine allergische/anaphylaktische Reaktion der Pferde. In den meisten Fällen waren diese Reaktionen von kurzer Dauer und die betroffenen Tiere erholten sich vollständig innerhalb kurzer Zeit. In vereinzelten Fällen war eine Behandlung mit Kortikosteroiden notwendig. Auch diese Tiere erholten sich kurze Zeit nach der Behandlung vollständig.

Aktuell wird ein erhöhtes Aufkommen solcher UAWs ausdrücklich nach intravenöser Gabe von Gentamicin verschiedener Hersteller beobachtet. Die Gründe dafür sind bisher nicht hinreichend geklärt. Ein Qualitätsmangel konnte bei Anwendung der Routinetestverfahren ausgeschlossen werden.

In der Fachinformationen zu Gentamicin ist beschrieben, dass die Anwendung dieser Substanz beim Pferd zu allergischen und anaphylaktischen Reaktionen und neuromuskulären Blockaden führen kann. Bei der intravenösen Anwendung von Gentamicin beim Pferd sollte darauf geachtet werden, dass die Gebrauchslösung vor der Anwendung angewärmt und langsam injiziert wird. Bei allergischen sowie anaphylaktischen Reaktionen ist das Arzneimittel, wie in der Fachinformationen empfohlen, sofort abzusetzen und eine entsprechende Therapie mit Epinephrin (Adrenalin), Antihistaminika und/oder Glukokortokoiden einzuleiten

 


Entnommen aus Deutsches Tierärzteblatt 1/2017