Tierseuchenbekämpfung in Syrien 1983

Als Tierarzt im Einsatz gegen die Rinderpest

1983 kam es in Syrien zu einem Rinderpestausbruch, über den in der Literatur kaum etwas zu finden ist. Wie es dazu kam und wie die zuständigen Behörden mit dem Geschehen umgingen, wird hier von einem Zeitzeugen berichtet. Dabei sind einige Prinzipien zu erkennen, die auch heute bei entsprechenden Geschehen Bedeutung haben.

In der Vergangenheit waren die Folgen von Rinderpestausbrüchen, wie hier 1896 in Südafrika, verheerend. | © anonym, gemeinfrei aus WIKIPEDIA Commons 2020

Dass uns heute eine Pandemie wie das Corona-Seuchengeschehen heimsucht, ist für viele v. a. in Bezug auf die gravierenden Einschnitte in das Alltagsleben nicht immer sofort zu begreifen. Auch plötzliche Seuchenzüge bei Tieren lösen anfangs mitunter eher Erstaunen aus. Und wenn dann schließlich die damit verbundenen Realitäten und Maßnahmen allgemein akzeptiert werden, ist kaum aufzuholende Zeit verstrichen.

So war es auch bei der 1983 in Syrien aus dem Süd-Libanon eingeschleppten Rinderpest, die bis in die 1990er-Jahre auch andere Länder im Nahen Osten heimsuchte. In der Türkei verendeten 1991 noch 2 700 Rinder an der Seuche. 12 000 Tiere wurden gekeult und mit der Impfung von 12,5 Millionen weiteren Rindern konnte die Epizootie nach 4 Monaten eingedämmt werden [1].

Dereinst kam diese fürchterliche Panzootie wohl durch die als Zugtiere dienenden Ochsen im Tross Dschingis-Khans aus Asien nach Europa. Diese Ochsen waren gegen Rinderpest weitgehend immun, verbreiteten sie aber unter den hiesigen Rindern, was weitreichende Kollateralgeschehen bewirkte. Denn wenn die Rinder verendeten, die Mortalitätsrate konnte 90 Prozent erreichen, verhungerten auch die Menschen. Später sprang die Tierseuche auch nach Afrika über (Foto). Zum letzten Ausbruch in Deutschland kam es 1870. Seither wurde v. a. in den Balkanstaaten ein konsequentes Überwachungs- und Meldesystem etabliert. Allein der Verdacht eines Ausbruchs führte zu strengen Quarantänemaßnahmen und einem Handelsverbot für Tiere und tierische Produkte.

 

Entnommen aus DTBl 12/2020