Afrikanische Schweinepest hat Deutschland erreicht!

Nach dem ersten, am 10.09.2020 bestätigten Virusnachweis bei einem verendeten Tier in der Gemeinde Schenkendöbern im Kreis Spree-Neiße in Brandenburg hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), wie zu erwarten war, weitere Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen bestätigt; bis zum 22. September stieg die Fallzahl auf insgesamt 20. Alle Kadaver wurden innerhalb des nach dem ersten Fund eingerichteten gefährdeten Gebiets aufgefunden; ein Tier wurde krank erlegt.

© Claudia Pfister

Um eine Ausbreitung des ASP-Virus und einen Eintrag in die Nutztierbestände zu vermeiden, wurden in den betroffenen Gebieten umgehend Krisenstäbe eingerichtet. Die Zone für das gefährdete Gebiet (15-km-Radius um die Fundorte) und die Kernzone (3-km-Radius um die Fundorte) wurden nach den Neufunden entsprechend erweitert. Die Restriktionsgebiete erstrecken sich damit über die Kreise Spree-Neiße, Oder-Spree, Dahme-Spreewald und das polnische Staatsgebiet. Auch eine Pufferzone im Umkreis von 30 km wurde definiert.

Die Kernzone werde laut zuständigem Agrarministerium zunächst mit mobilen Elektrozäunen gesichert, bis sie nach möglichen weiteren ASP-Funden endgültig feststehe und durch feste Zäune gesichert werden könne. Darüber hinaus würden verschiedene Maßnahmen angeordnet. Dazu zähle im gefährdeten Gebiet u. a. ein komplettes Jagdverbot, eine intensivierte Fallwildsuche und der tierseuchengerechte Abtransport der Kadaver, die Überprüfung der Biosicherheitsmaßnahmen der Schweinebetriebe und Nutzungsbeschränkungen von landwirtschaftlichen Flächen, wie ein Verbot der Maisernte. Im Kerngebiet sowie der Gefährdungszone gelten Verbringungsverbote für Schweine, in der Kernzone zusätzlich ein Betretungsverbot.

Die Funde versetzten die übrigen Bundesländer und die Bundesregierung in höchste Alarmbereitschaft. Bundesministerin Julia Klöckner teilte mit, den zentralen Krisenstab Tierseuchen aktiviert zu haben, es gebe einen engen Kontakt und Informationsaustausch mit den Bundesländern, der EU, der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) und den Handelspartnern. Da Deutschland nun nicht mehr als ASP-frei gelte, drohe eine längere Einfuhrsperre für deutsches Schweinefleisch in Drittstaaten. Die Ausfuhr in andere EU-Länder sei aufgrund der Regionalisierung aber weiter möglich, das Verbringen von Hausschweinen ist nach Tierseuchenrecht jedoch genehmigungspflichtig. Um Verbringungsverbote für Hausschweine aus Restriktionsgebieten nach einem ASP-Fall bei Wildschweinen zu vermeiden, empfehlen Politiker in Baden-Württemberg und in Bayern zusätzlich Tierärzteverbände den Schweinehaltern die Teilnahme an landeseigenen Früherkennungsprogrammen. Anstelle von anlassbezogenen Genehmigungsverfahren könne in diesen Bundesländern alternativ auch das betriebsbezogene Kontrollprogramm genutzt werden. So könne sich im Seuchenfall eine Kostenersparnis und eine Zeitersparnis beim Verbringen ergeben.

 

Entnommen aus DTBl 10/2020